Kinder im digitalen Zeitalter
Unterstützen und schützen

Wir leben in einer digitalisierten Welt, sprechen von „digitaler Revolution“ und unsere Kinder wachsen in einem digitalen Zeitalter auf. Nicht selten sind wir von der rasanten digitalen Entwicklung überfordert. Dennoch haben wir auch in diesem Bereich den Auftrag, unsere Kinder weise und verantwortungsvoll zu erziehen. Dazu soll dieser Artikel helfen.  

Digital für Einsteiger

Digital kommt vom lateinischen Wort „digitus“ und bedeutet „Finger“. Mit den Fingern wird gezählt und davon leitet sich die „digitale Signalverarbeitung“ ab. Genau genommen zählen in der digitalen Welt allerdings nur zwei „Zahlensignale“: 0 und 1. Durch die unterschiedliche Kombination und Verkettung von 0 und 1 entstehen Informationen, sogenannte „Binärcodes“. Diese Codes werden gebraucht, um einen Computer zu programmieren, denn das ist seine „Arbeitssprache“.

Die eigentliche Aufgabe eines Computers besteht darin, eingehende Signale in 0- und 1-Codes umzuwandeln, diese mit den gespeicherten Daten zu vergleichen und ein folgerichtiges Ergebnis darzustellen. Bekommt ein Computer eine ausreichende Menge an Signalen, ist es ihm durch schnelles Rechnen und Aneinanderreihen der Ergebnisse möglich, Texte, Bilder oder Lieder wiederzugeben. 

Computer sind somit Rechenmaschinen, die dem Menschen im alltäglichen Leben wertvolle Dienste leisten können.

Digitale Revolution  

Selbst günstige Smartphones sind mittlerweile schon richtige “Hochleistungsrechner” und in der Lage, viele Alltagsgegenstände zu ersetzen. Fotoapparat, Videokamera und MP3-Player – alles überflüssig. In Verbindung mit dem Internet sind auch das Kochbuch, die Tageszeitung oder das Fernsehgerät ersetzt. Und während wir Älteren uns beim Lesen dieser Zeilen die „guten alten Zeiten“ zurückwünschen, ist unsere junge Generation längst schon wieder einen Schritt weiter. In vielen Schulen sind die Vertretungspläne nur noch online verfügbar und Hausaufgaben mit Internetrecherchen sind normal. Laptopklassen, -digitale Tafeln und 3D-Drucker gehören zur Ausstattung jeder modernen Schule.

Exkurs: Original oder Kopie?

Wer im Wald spazieren geht und sein Smartphone bei sich hat, kann ein schönes Foto machen und dieses anschließend in sozialen Netzwerken posten. Vielleicht mit dem Titel: „So schön ist es in der Natur“. Alle Freunde, die sich dieses Foto nun auf ihrem digitalen Gerät anschauen, werden staunen und ihre Kommentare abgeben. Tim: „Coole Blume“, Tom: „Hab schon gegoogelt, das ist ein Buschwindröschen“, Lisa: „LOL“, Tanja: „Und wie duftet sie?“ – Tja, leider hat Tanja mit dieser Frage den digitalen Spaß entzaubert. 

Denn wie die Blume duftet, wie sich ihre Blütenblätter anfühlen, wie es aussieht, wenn der Wind sie bewegt, oder wie weich der Boden ist, auf dem sie steht, das bleibt allein dem „analogen“ Wanderer vorbehalten …

Unser himmlischer Vater hat uns Menschen als analoge Wesen geschaffen. Wir können eine erstaunliche Vielzahl von Signalen aufnehmen und verarbeiten: warm und kalt, schnell und langsam, laut und leise, traurig und glücklich, hell und dunkel, rau und glatt … Und sollte einmal eine „Signalwahrnehmung“ gestört sein, besteht immer noch die Möglichkeit, dass andere Sinne diese ausgleichen.

Was für ein Verlust wäre es doch, wenn wir diese Vielfalt aufgeben und uns stattdessen mit der menschengemachten 0- und 1-Technologie zufriedengeben. 

Leben gibt es nur bei Jesus 

Aber noch wichtiger, als den Duft der Blumen wahrzunehmen, ist es, das Reden Gottes zu erkennen. Aus diesem Grund dürfen wir es nicht zulassen, dass die Digitalisierung uns und unsere Kinder überrennt. Atempausen und „Echtzeit-Leben“ werden in Zukunft die wichtigsten Oasen für unsere aufgescheuchten Seelen sein. Zeiten, in denen das Handy aus ist und das Gebet um Ausrichtung und Wegweisung Priorität hat. Denn, was immer auch die Digitalisierung noch mit sich bringt – aus unserer Gottlosigkeit retten kann sie uns nicht. 

Im Gegenteil: Manche Forscher wagen es sogar, die Digitalisierung als nächsten Schritt in der Evolution zu beschreiben. Es scheint, als würde die Menschheit durch die Digitalisierung einen neuen babylonischen Turmbau starten. Gegründet auf den menschlichen Verstand erobern wir unsere Welt ganz neu und machen das erfundene Werkzeug zu unserem Meister.  

Doch was haben wir davon, wenn wir die ganze Welt erobern und unsere Seele dabei umkommt? Nicht umsonst fordert Jesus uns auf, dass wir mit unseren Lasten und Sorgen zu ihm kommen sollen. Zerstreuung, Ablenkung und Realitätsflucht sind heute leicht wie nie zuvor. Doch nur bei ihm finden wir umfassendes Leben. Für Körper, Seele und Geist. 

Vorbild sein

Wollen wir unsere Kinder gut für das Leben im digitalen Zeitalter ausrüsten, müssen wir ihnen zuallererst ein gutes Vorbild sein. Denn alles Schimpfen nutzt nichts, wenn wir es selber gar nicht anders machen.  

Außerdem reicht es nicht, das Handy zu verbieten. Ohne sinnvolle Alternativen zum digitalen Zeitvertreib werden wir unsere Kinder nur frustrieren. Gehen wir doch gemeinsam mit ihnen in die Natur. Nehmen wir uns Zeit und spielen einfach mal etwas Analoges. Und wenn wir wollen, dass unsere Kinder sich auch noch anders als per Kurznachricht verständigen können, geben wir ihnen die Möglichkeit für echte Gespräche.

Medienkompetenz

Da wir die Uhr der Entwicklung nicht mehr zurückdrehen können, haben wir die Aufgabe, unsere Kinder zu kompetenten Leuten zu erziehen. Sie müssen lernen: Nicht alles, was Freunde posten, oder uns das Internet anbietet, ist richtig und gut. Wer nicht nur die Meinung anderer nachplappern, sondern einen eigenen Standpunkt finden will, braucht taugliche Maßstäbe. Und da wir wissen, dass außer dem Wort Gottes alles vergänglich ist, sollten wir unseren Kindern vorleben, was es bedeutet, Jesus Christus zu vertrauen und ihm die Leitung im Leben zu überlassen. 

Getreu nach dem Motto „Prüft alles und behaltet das Gute“ dürfen wir uns die neuen Technologien nützlich machen und sie als Werkzeug zum Bearbeiten dieser Welt sehen. Unser Herz dürfen wir aber nicht daran hängen, denn das gehört allein unserem Herrn und Retter Jesus Christus.

Matthias Demmin
kids-team Österreich Nationalleiter

Erschienen im Magazin 01/2019